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Desolation Row- Bob Dylan

Was soll ich sagen ? Ich kenn das Lied seit Jahren auswendig, ich habs seit meinem siebzehnten Geburtstag mindestens 2000 mal gehört und ich ich bin immer noch den Tränen nahe, wenn ichs höre. Jede Strophe ist eine Beschreibung elementarer Erfahrungen und gleichzeytig eine liebevolle Verbeugung vor dem Universum der  Habenichtse und Mondanheuler. An jeder Ecke dieser sympathischen Straße  steht jemand, den man kennt- da haben sich zwei verliebt, kriegen sich aber nicht, dort bereitet sich der barmherzige Samariter auf eine Verkleidungsparty vor, und über allem funkelt der Regenbogen Noah´s, welcher vom Ende der Sintflut kündet. Einstein als  Robin Hood verkleidet diskutiert mit einem eifersüchtigen Mönch und redet von der guten alten Zeit und um Ophelia muß man sich wie immer sorgen machen. Die Stimmung ist nicht besonders in unserer Gasse, aber die Einwohner sind wenigstens am Leben. Doch auch die Staatsmacht und Ihre Lakaien , die Ärzte und Quacksalber, die Versicherungsagenten und Vorarbeiter treten auf, die jeden, der sich nach Desolation Row flüchten will,  in die Fabriken deportieren, wo eine gräßliche Maschine unseren Freunden und uns selbst die Herzen zerstört.Und wir anschließend verbrannt werden.  Ach dies Nacherzählen hat keinen Sinn- Marxismus, Baudelaire, Neu- England Transzendentalismus, Woody Guthrie, Liebe, Einsamkeit Freundschaft, Verzweiflung , Terror, Lust, Unterlegenheit und Witz, Intelligenz und Zerstörung, Wahnsinn und Gesellschaft und Methode, darum geht´s hier.

Herr Zimmermann  macht gegen Ende des Liedes eine  Utopie auf:  Das Narrenschiff, auf welchem keiner mehr irgendwas zerstört, welches die Fischer grüßen und Calypsosänger mit Blumen wedeln, begleitet von fröhlichen Nixen, schwimmend in der Bugwelle der Titanic, die nicht mehr untergeht. Trotzdem bleibt in dieser vorletzten Strophe ein schaler Geschmack im Mund : Ist Desolation Row dagegen nicht eigentlich doch die bessere Wahl ?  Wer soll das wieder entscheiden, Dylan tuts jedenfalls nicht und ich bin mir auch nicht so sicher.

Und das Ende ist dann ganz privat, die Traumwelt zerfällt in einen zynischen wie traurigen Brief an eine Verflossene, daß ich immer grinsen muß und melancholisch werde: All die Leute, die du aufzählst, ja, kenn ich, ich find sie öde, ich mußte ihnen neue Gesichter geben und Ihre Namen umschreiben….Na genau, besser hätte ich das auch nicht sagen können. Scheiße nochmal, warum muß das alles immer so kompliziert sein.

Eine Hymne für alle Nachtfalter, Tagschwärmer, Pfeifen- Louis,  Seeräuber- Jennys und andere schwer zu fangenden Kopf- und Gliederfüßler . Anhören ( Meinetwegen auch zum 2001ten mal) und sich freuen, daß man auch in der Maschinenwelt noch solche Wortkaskaden zu hören kriegt. Thanks, Bobby.

Everybody´s makin´ love or else expectin´ rain

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